Der Mann, der nicht kniet Kapitel IX — Die Fremde Reinheit
Yarrick Ordo Malleus Grey Knights
Sebastian Yarrick hat nie Angst gekannt.
Nicht wirklich.
Er hat Welten brennen sehen, Regimenter geopfert, ohne zu blinzeln. Er hat Orks ausgelacht, während sie ihn folterten. Er hat überlebt, weil sein Wille härter war als alles, was ihn brechen wollte.
Doch hier… hier spürt er etwas anderes.
Keinen Zweifel. Grenzen.
Der Raum ist ein provisorisches Kommandozentrum, errichtet aus zerborstenen Containern und heiligen Bannzeichen. Der Boden ist mit Asche bedeckt — nicht von Explosionen, sondern von Dingen, die ausgelöscht wurden. Die Luft riecht nach verbranntem Weihrauch, Blut und kaltem Metall. Yarricks Bale Eye reagiert unruhig. Es sieht Dinge, die nicht da sein sollten, und blendet sie aus. Immer wieder.
Vor ihm stehen zwei Gestalten.
Der erste trägt die Zeichen des Ordo Malleus — nicht prunkvoll, sondern endgültig. Seine Rüstung ist schwarz, mit Gold gesäumt, bedeckt von Bannsigillen, deren Bedeutung selbst Yarrick nur teilweise kennt. Sein Gesicht ist alt. Nicht vom Alter — von Wissen. Seine Augen haben zu viel gesehen und zu viel behalten.
Ein Großinquisitor.
Der zweite ist größer. Schwerer. Seine silberne Rüstung wirkt nicht wie Schutz, sondern wie ein Urteil. Auf seiner Brust prangt das Buch der Verdammten, versiegelt mit Ketten. Seine Präsenz drückt auf den Raum, als hätte die Realität selbst Respekt vor ihm.
Ein Großmeister der Grey Knights.
Keiner von beiden salutiert.
Yarrick merkt es — und ignoriert es.
„Ich habe die Berichte gesehen", sagt er schließlich. Seine Stimme ist fest, aber tief darin liegt etwas Neues. Kein Zorn. Anspannung.
„Zivilisten. Kinder. Ganze Sektoren."
Der Großinquisitor nickt einmal.
„Korrekt."
Yarricks Klauenhand schließt sich. Metall knirscht.
„Ihr nennt das notwendig."
„Ich nenne es minimal", erwidert der Inquisitor ruhig.
Stille.
Draußen bebt die Welt. Artillerie. Dämonenschreie. Etwas Großes stirbt, oder wird geboren — Yarrick kann es nicht sagen.
Der Großmeister tritt einen Schritt vor.
„Commissar Yarrick", sagt er. Seine Stimme ist tief, gleichmäßig, frei von Pathos. „Ihr seid bekannt für eure Unnachgiebigkeit."
„Ich beuge mich nicht", antwortet Yarrick sofort.
„Das erwarten wir nicht."
Der Satz trifft härter als jeder Widerspruch.
Yarrick hebt den Blick. Sein Bale Eye fokussiert den Großmeister. Für einen Moment glaubt er, Widerstand zu spüren — dann nichts. Als würde man versuchen, einen Berg einzuschüchtern.
„Dann erklärt mir", sagt Yarrick langsam, „warum meine Soldaten sterben, meine Zivilisten ausgelöscht werden — und ihr mir sagt, das sei kein Krieg."
Der Großinquisitor antwortet diesmal.
„Weil Krieg Regeln hat", sagt er. „Fronten. Siege. Verluste. Verantwortung."
Er tritt näher, bis Yarrick den Geruch seiner Rüstung wahrnimmt — altes Öl, kalter Rauch, Blut, das nie ganz abgewaschen wurde.
„Das hier", fährt er fort, „ist Seuchenkontrolle."
Yarricks Atem geht schwer.
„Ich habe Welten evakuiert", sagt er. „Ich habe Menschen geopfert, damit andere leben können. Aber ich habe nie akzeptiert, dass alle verloren sind."
Der Großmeister senkt den Kopf einen Hauch. Kein Spott. Kein Mitleid.
„Und genau deshalb seid ihr noch am Leben", sagt er.
„Und genau deshalb dürft ihr hier stehen."
Yarrick lacht leise. Kurz. Trocken.
„Ihr sagt mir also, dass selbst mein Wille hier nichts zählt."
„Nein", erwidert der Großmeister. „Er zählt."
Er hebt eine behandschuhte Hand und projiziert ein Holo. Yarrick sieht Daten. Psionische Echos. Wahrscheinlichkeiten. Pfade, die sich verzweigen — und in jedem endet Kuat als Tor. Als Schrei in der Realität. Als Wunde, die nie heilt.
„Euer Wille", sagt der Großmeister, „ist der Grund, warum diese Welt noch existiert."
Der Inquisitor ergänzt:
„Aber er reicht nicht aus, um sie zu retten."
Das ist der Moment.
Nicht des Zorns. Nicht der Kapitulation.
Der Moment, in dem Yarrick versteht.
Dass es Dinge gibt, die selbst er nicht brechen kann.
Dass es Schlachten gibt, in denen Standhaftigkeit allein nicht genügt.
Dass sein Imperium der Menschheit nicht die einzige Macht ist, die über Leben und Tod entscheidet — sondern nur die, die übrig bleibt, wenn andere versagen.
Er richtet sich auf.
„Dann sagt mir eines", knurrt er. „Wenn ihr fertig seid mit eurer… Säuberung."
Der Großmeister sieht ihn an.
„Was bleibt von Kuat?"
Stille.
Dann:
„Genug", sagt der Grey Knight. „Um zu erinnern."
Yarrick nickt langsam.
„Dann sorgt dafür", sagt er, „dass es etwas gibt, das sich zu erinnern lohnt."
Für einen Augenblick — einen einzigen — glaubt der Großinquisitor, so etwas wie Respekt in den Augen des Commissars zu sehen.
Dann wendet sich Yarrick ab.
Der Krieg draußen tobt weiter.
Doch in ihm hat sich etwas verschoben.
Nicht gebrochen. Begrenzt.
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